Wenn alles genau so bleibt wie es ist

Gestern, als ich mich wie immer mit den wiederkehrenden Ängsten abmühte und dem ewigen Alltag dazu, als ich frustriert war, weil es immer und immer wieder so ist und sich scheinbar nichts ändert, stellte mir meine Freundin Sabine diese Frage: ‚Was würdest du tun, wenn sich niemals etwas ändern würde, wenn es einfach so bleiben würde?‘

Sofort sah ich ein Bild. Ich sah mich in meinem Ist-Zustand, wie ich mit aller Kraft versuche vorwärts zu kommen, aber von hunderten von zähen Kaugummischnüren festgehalten werde, je stärker ich dagegen drücke, desto stärker halten sie mich zurück. Und ich gebe Gas und gebe Gas und hoffe, dass ich irgendwann schnell und kräftig genug bin, dass ich irgendwann mit genug Kraft und Anstrengung es geschafft haben werde mich zu befreien. Aber bisher ist trotz aller Mühen nichts passiert.

Nun kommt die Frage ins Spiel. Wenn ich mir also vorstelle, dass alles ganz genau so bleibt wie es jetzt ist, dann höre ich augenblicklich mit dem Kampf auf. Ich höre auf mich mit aller Kraft gegen die Kaugummischnüre zu stemmen, denn wenn ich das sowieso nie ändern kann, dann ist das Mühen völlig sinnlos. Dann kann ich es mir auch gemütlich machen, mitten im Kaugumminetz.

Ich nehme den Druck raus und den Kampf und die Schnüre tun das auch, sie lassen locker, weil sich keiner mehr dagegenstemmt. Ich kann ganz langsam, sanft und ruhig durch sie hindurchgehen, wenn ich ganz vorsichtig vorbeigehe, dann lassen sie mich einfach passieren.

Ach, das hätte ich nicht gedacht. Aber das Bild ist eindeutig und das Gefühl dazu auch. Völlige Entspannung, völlige Hingabe, völlige Akzeptanz. So fühlt sich das also an.

Ich merke, mit dieser absoluten Sanftheit mir selbst gegenüber kann ich mit den Schnüren spielen. Ich kann ein wenig verweilen, ich kann ganz locker drübersteigen, drunterkriechen, alles geht.

Sobald ich aber beschließe, dass sie nicht da sein sollen und versuche sie zu zerreißen oder durch sie hindurchzugehen erwachen sie zur alten Kraft und stemmen sich voll dagegen.

Wow, danke Sabine, jetzt habe ich ein Bild und ein Gefühl und eine Frage für dieses für mich so schwere Thema Annehmen.

Heute bin ich in diese Frage verliebt. Gerade kämpfe ich mit dem Umstand, dass ich gleich wieder los muss um ein Kind abzuholen. Was würde ich tun, wenn sich niemals etwas ändern würde?

Sofort geht die Luft raus, die Spannung, ich fühle eine Sanftheit mir selbst gegenüber. Ich darf innehalten, ich darf es so machen wie es für mich gut ist, denn wie ich mich fühle hat für mich Priorität, die Umstände zu ändern liegt nicht in meiner Macht, aber auf mich achtzugeben, das schon.

Und das Interessanteste ist, dieses Druck Rausnehmen ist eine innere Bewegung, es ist eine Veränderung in mir, nicht außerhalb, und doch, auch wenn von Außen unsichtbar, ist es die entscheidende Veränderung. Keine Veränderung im Außen kann etwas nützen, wenn es sich im Innen nichts bewegt. Bewegt es sich jedoch im Innen, ist das Außen nicht mehr relevant.

Und was dann langfristig mit dem Außen passiert, das ist die spannende Frage. Denn es wird etwas passieren.

Ein Gedanke zu „Wenn alles genau so bleibt wie es ist

  1. Ich musste lachen über das Kaugummi-Bild. Bei mir sind es klebrige Spinnweben oder Schokoküsse-Matsch, aber Kaugummi trifft es super!

    LG

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