Was würde die Liebe tun?

Wer wäre ich ohne meine Angst? Wer wäre ich ohne mein Drama?

Was würde ich dann tun? Wie würde ich es tun?

Ich merke, ich habe am meisten Angst davor keine Angst zu haben. Es ist, als gäbe es mich dann gar nicht mehr.

Aber wie wäre es?

Ich würde einfach das tun, was mich anspricht und interessiert, würde mich nicht aufhalten und klein halten lassen. Vielleicht wäre ich dann erfolgreich, vielleicht wäre ich dann hilfreich, vielleicht würde ich dann glänzen, das macht mir so richtig viel Angst. Vielleicht hätte ich viel mehr Zeit, weil ich mich nicht mehr in dem Drama verlieren würde. Dann müsste ich das tun, was ich kann, dann hätte ich keine Ausrede mehr, dann müsste ich mein Potential voll ausschöpfen. Oh mein Gott, macht mir das Angst.

Wie Marianne Williamson sagt, unsere größte Angst ist es nicht unzulänglich zu sein, unsere größte Angst ist zu leuchten, strahlend, bezaubernd, begnadet und phantastisch zu sein. Wir fragen uns, wer bin ich denn schon, um das sein zu dürfen?

Williamsons Antwort: Wir sind alle Kinder Gottes. Wir sind dazu bestimmt zu strahlen. Wir wurden geboren, um die Herrlichkeit Gottes in uns zu verwirklichen.

Und ich? Was sage ich dazu?

Das klingt zu schön um wahr zu sein.

Aha. Was soll das bedeuten?

Es gibt keine Freude, kein Strahlen, kein Licht, keinen Gott, all das existiert nicht, das sind schöne Phantasien, mehr nicht.

Was ist eine Phantasie?

Etwas was man sich nur vorstellt. Ausdenkt.

Ok. Und existiert sie dann nicht, die Vorstellung?

Doch, die Vorstellung schon.

Ja, und was existiert dann nicht?

Das Tatsächliche.

Hm, was soll das denn sein. Was wäre etwas Tatsächliches, was dann existieren müsste?

Freude, Strahlen, Licht, Gott.

Und das existiert nicht?

Nein.

Woher weißt du das?

Das wäre zu schön um wahr zu sein.

Und das reicht als Beweis für die Nichtexistenz?

Ja. Das Leben ist nicht schön und leicht und strahlend.

Woher weißt du das?

Ich kenne nichts anderes.

Ok. Und gilt das für jeden?

Nein, bei anderen mag es vielleicht anders sein.

Das heißt, du räumst ein, dass die Möglichkeit grundsätzlich existiert?

Ja, das muss ich, manche behaupten das ja, und ich kann nicht das Gegenteil beweisen. Aber für mich gilt das nicht.

Woher weißt du das? Vielleicht hast du es noch nicht erlebt, ok. Aber wenn die Möglichkeit grundsätzlich existiert, warum nicht auch für dich?

Bei mir funktioniert das nicht.

Was?

Die Freude, das Strahlen usw.

Was funktioniert dann?

Schwere, Leid, Anstrengung, Angst, Drama.

Hast du schon mal probiert, dem anderen auch eine Chance zu geben? Dich aktiv zuzuwenden?

Nein.

Dann kannst du gar nicht wissen ob es funktioniert.

Stimmt.

Könntest du dir vorstellen es zu probieren?

Hm. Vielleicht. Aber ich weiß nicht wie. Ich könnte mich fragen, ob da irgendwo auch Freude ist, bei aller Angst. Ob da irgendwo auch Leichtigkeit ist bei allem Drama. Ob es irgendwo ein Strahlen gibt. Gezielt danach suchen.

Wenn die Angst kommt und das Drama, könnte ich sie wahrnehmen und sein lassen. Ich könnte mich dann fragen, ob ich das Vorhaben auch ohne Angst und Drama in die Tat umsetzen kann. Ob ich es vielleicht einfach mal probieren möchte. Mich fragen, wie die Liebe das wohl machen würde.

Ja, das ist gut, diese Frage hat eine hohe Resonanz: Ich frage mich wie die Liebe das wohl machen würde.

Wenn es so wäre wie ich eben gelesen habe, dass die Liebe die einzige Macht ist, die existiert, was würde sie tun?

Ganz konkret würde sie mir erstmal erlauben mich kurz hinzulegen, weil ich sehr müde bin. Hatte ich bisher gar nicht bemerkt.

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