Über mich

 

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  • Candida Kraus
  • Jahrgang 1971
  • verheiratet, 5 Kinder
  • Heilpraktikerin für Psychotherapie
  • klassische Ballettausbildung (Heinz-Bosl-Stiftung München)
  • Tanzerfahrung im Showtanz, Hiphop, Jazz
  • Studium M.A. der Linguistik, Germanistik und Geschichte
  • Tanztherapeutin BTD® i.A. am Europäischen Zentrum für Tanztherapie (Ezetthera)
  • zur Zeit in Weiterbildung: Kestenberg Movement Profile

Mein Gewicht ist für mich ein Lebensthema. Und wie meine Ausbildungsleiterin mal sagte, Lebensthemen begleiten uns ein Leben lang. Heute bin ich soweit dieser Möglichkeit ins Auge zu sehen, als ich das zum ersten Mal hörte war ich empört. ‚Nein, so kann es nicht sein, ich will das nicht immer mit mir herumschleppen, ich will dass es weg ist, basta!‘

Schon als Kind wurde ich mit meinem Lebensthema konfrontiert, wenn auch anders als heute. Für meine Mutter war ich zu dünn, aß zu wenig. Das veranlasste sie, mich regelmäßig zum Essen zu zwingen. Später, während meiner professionellen Ballettausbildung war ich zwar nicht zu dick, aber immer kurz davor, galt es doch die 50 Kilo Grenze nicht zu überschreiten. Es waren Zeiten des Dauerhungerns.

Danach fing das typische Diäten-Jojo-Leben an. Viel essen, viel zunehmen, hungern, alles wieder abnehmen. Egal wie viel ich gewogen habe, ich fühlte mich immer dick. Es ist geradezu ironisch, dass ich mir heute das Gewicht von damals wünsche. Damals waren die 50 Kilo die magische Marke, alles darüber war nicht akzeptabel. Bis zu 50 Kilo konnte ich in einer Phase zunehmen (gut, das war eine Schwangerschaft, aber 40 davon blieben nach der Geburt) und bis zu 40 habe ich in einer Phase wieder abgenommen. Und so ging es mit unterschiedlichen Kilozahlen immer hin und her.

Irgendwann, nach der Geburt meines vierten Kindes, hatte ich von all dem die Nase gründlich voll. Ich wollte nicht mehr hungern und nicht mehr fressen. Ich wollte normal Essen und mein natürliches Gewicht haben.

Also begab ich mich auf die Suche nach Hilfe und fand zunächst ein therapeutisches Seminar-Programm. Dort lernte ich den Unterschied zwischen körperlichem Hunger und Hunger aus anderen Gründen kennen und vor allem lernte ich zum ersten Mal den Blick nach innen zu wenden, meinen Körper zu spüren und meine Gefühle wahrzunehmen. Damit war der Bann gebrochen und ich begab mich auf die Reise nach innen. Ich fand andere Therapeutinnen, Bücher und Seminare.

Inspiriert von dem was ich gelernt und erfahren habe und auch weil ich merken durfte welch essentielle Rolle der Körper in unserem Leben spielt, habe ich vor 4,5 Jahren die 4,5 jähringe Ausbildung zur Tanztherapeutin angefangen und die Abschlussprüfung bestanden. Für die komplette BTD Anerkennung brauche ich noch eine wissenschaftliche Abschlussarbeit an der ich zur Zeit arbeite. Das Thema ist, wie könnte es anders sein, das Gewicht.

Nun weiter in der Geschichte: Nach etwa 5 Jahren war das eingetreten, was ich mir am Anfang meines Wegs erhofft hatte. Und auch nicht. Ich bin nicht mehr esssüchtig. Ich habe keine Essattacken mehr, überesse mich nur noch sehr selten. Ein voller Therapieerfolg also. Ich hatte allerdings erwartet, wenn ich normal esse, dann habe ich auch ein normales Gewicht, mein natürliches Wohlfühlgewicht. Nun, entweder es ist für mich natürlich dick zu sein, oder ich habe mein natürliches Gewicht noch nicht erreicht.

Denn seit ich nicht mehr reglementiere, sondern mich nur auf mein natürliches Hunger- und Sättigungsgefühl verlasse habe ich mein höchstes Gewicht außerhalb einer Schwangerschaft erreicht. Seit über zwei Jahren ist dieses Gewicht stabil. Das ist ein großer Fortschritt, denn früher bedeutete das Fehlen einer Reglementierung hemmungsloses und unkontrollierbares Fressen und eine stetige Gewichtszunahme.

Ich würde aber lügen, wenn ich behaupten würde, dass ich mir nicht wünsche dünner zu sein. Allerdings bin ich nicht mehr bereit irgendeine Art von Härte gegen mich anzuwenden um das zu erreichen. Keine Diäten mehr, keine Sportprogramme, keine Reglementierungen jedweder Art. Was für eine Freiheit im Vergleich zu früher!

Inzwischen habe ich verstanden, das Gewicht ist da, weil es aus irgendeinem Grund da sein muss, sonst wäre es nicht. So einfach ist das. Und entweder es wird eines Tages gehen, weil sein Zweck erfüllt ist, oder eben nicht. Ich habe es nicht in der Hand. Was für eine Erleichterung!

Daraus ergeben sich viele neue Fragen: Kann ich mich lieben und akzeptieren so wie ich bin, auch wenn ich dick bin? Kann ich meinem Körper das geben was er wirklich braucht, um ihn zu pflegen und zu nähren? Kann ich meinem Körper erlauben sein Gewicht selbst auszusuchen? Und die allerwichtigste Frage: Kann ich mich in meinem Körper wohlfühlen und gleichzeitig dick sein?

Ich will nicht mehr gegen mich kämpfen. Was ist, wenn alles so wie es ist perfekt ist, einfach weil es ist? Wenn es meine Bestimmung wäre, genau hier genau so zu sein, wie ich gerade bin?

Auf jeden Fall weiß ich eines: es gibt nur eine Antwort auf alles, und das ist die Liebe. Alles was auftaucht, unser Fett, unsere Urteile, unsere Gefühle, unsere ungeliebten Anteile, alles wollen nur eines: mehr Liebe.

Und in diesem Sinne nehme ich mein Lebensthema Gewicht in Liebe an. Ich bin gespannt wohin ich noch geführt werde.