Symbiose und Autonomie

Am Wochenende war ich bei jemandem, der mit mir an der Systemischen Selbst-Integration gearbeitet hat, nach dem Muster wie es hier beschrieben ist, etwas abgewandelt, natürlich.

Worum es aber geht, was ich total spannend finde, ist das Bild auf dem es aufbaut, das schamanische Verständnis von Krankheit oder Störung. Im Laufe des Lebens geben wir aus verschiedenen Gründen Seelenanteile an andere ab, am meisten an unsere Eltern aber auch an alle möglichen anderen und bekommen gleichzeitig Anteile, die nicht zu uns gehören. So ist unser Seelenkuchen kein homogenes Gebilde mehr aus lauter Teilen, die zu uns gehören, sondern enthält auch Teile von anderen, während manche unserer Teile fehlen.

Wir geben unsere Energie weg und sind nicht mehr mit unserem Selbst oder Wesenskern verbunden. Langlotz beschreibt das so, dass unsere Fähigkeit zur Selbstabgrenzung, die Verbindung mit dem Selbst und die Integration aggressiver Impulse vermindert ist, während wir zur Kompensation die Überabgrenzung, die Dominanz und die Destruktion ausbilden. Auf seiner Website, die ich auch dauerhaft verlinkt habe, wird alles sehr ausführlich beschrieben, und auch wie man mittels einer Aufstellung das alles wieder auseinander dröseln kann.

Für mich war das ein ganz wichtiger Baustein, denn trotz so viel Arbeit an mir selbst, so viel von diesem und jenem fühle ich mich nach wie vor schwer, energielos und weiß nicht was ich will. Bin verwirrt und orientierungslos.

Ein typisches Symptom von fehlender Abgrenzung ist, dass sobald etwas an einen herangetragen wird, man sich automatisch damit identifiziert, mit Aufgaben, mit Kritik, mit Wünschen und Vorstellungen anderer. Man erschafft einen gemeinsamen Raum in dem die Grenzen verwischt sind und weiß gar nicht, dass der ungeteilte eigene Raum ein Geburtsrecht ist, genau wie die Verbindung mit dem erwachsenen Selbst.

Bei mir kommt diese symbiotische Verschmelzung dauernd vor, es ist mein Thema, ich habe sie bisher mit meiner Mutter, meinem Vater und sogar mit ‚alles was zu tun ist‘ aufgedeckt. Also das was zu tun ist, wird so wichtig, dass es das Selbst verdrängt und sich an seinen Platz stellt. Bei der Aufstellung ist das so was von offensichtlich, das ist erschütternd.

Kein Wunder auch, dass ich meine Lebensfreude auf einer Skala von 0-100 bei 0,25 eingestuft habe. Bei so wenig eigene Energie und so viel Fremdenergie reicht es nur noch zum Funktionieren.

Nach der Sitzung war ich sofort wacher, nicht viel wacher, aber wacher. Und es hält an. Inzwischen habe ich das selbst auch noch mit anderen Personen gemacht, es zeigt Wirkung. Ganz tief innen fühle ich ein kleines Pflänzchen, so ein Gefühl des Da Seins, noch ganz fein, ich fühle mich ein wenig real, ich spüre, wenn auch nur hauchzart, dass ich lebe. Ganz abgefahren.

Ich freue mich grad so, dass ich einen weiteren Baustein bekommen habe, schon so lange hänge ich fest und weiß nicht wie es weitergehen soll, ich habe um Hilfe gebeten und sie bekommen, danke!

In der Ausbildung war das auch schon Thema, meine fehlende Fähigkeit zur Abgrenzung im Kontakt, aber erstens wird da keine Lösung angeboten und zweitens war mir nicht klar, wie elementar das ist, das ist die Basis, darauf baut alles andere auf, kein Wunder, ich baue die ganze Zeit mein Haus auf Sand.

Das erste Mal überhaupt habe ich den Wunsch hier auszumisten und Gerümpel loszuwerden. Bisher ging dieser Impuls immer von meinem Mann aus und er hat es auch allein machen müssen. Für mich undenkbar. Zwar war ich immer fasziniert von Orten an denen es leer und übersichtlich ist, aber bis darauf dass ich mir vor vielen Jahre mal das Buch ‚Feng Shui gegen das Gerümpel des Alltags gekauft habe‘ habe ich sonst nichts gemacht. Jetzt habe ich es wieder hervorgekramt. Bis gespannt.

Kommentar verfassen