Kann es ok sein, so wie es ist?

Sitze in einem Haufen Büroarbeit und habe so was von keine Lust. Ich wollte morgens schon gar nicht aufstehen. Das will ich eigentlich nie. Oder fast nie. Es mag den einen oder anderen Tag geben, der ein Versprechen in sich trägt, aber ich kann mich gerade an kein konkretes Beispiel erinnern.

Warum soll ich aufstehen? Um mich durch meinen Tag zu quälen. Und nun verschärft. Wenn ich mir nur was zu trinken holen will ist das nur nervig.

Ich bin voller Wut. Sie wird von Tag zu Tag größer. Es führt kein Weg daran vorbei da einzutauchen.

Kaum gehe ich rein, schon kommen die Tränen. Tränen, die ich in letzter Zeit viele Male am Tag weine. Aber weiter komme ich nicht. Ich komme nicht an das ran was dahinter ist. Ich stelle mir den Wecker auf 10 Minuten und schreibe alles auf was kommt.

Ich schwinde nach unten, es ist alles schwer, zu schwer, immer nur schwer.

Ich bin so allein, so unglaublich allein, niemand versteht mich, niemand. Niemand sieht die Mühe, die ich mir jeden Tag mache um allein das Bett zu verlassen, niemand sieht wie viel Aufmerksamkeit ich brauche um irgendetwas zu tun, wo ein Teil von mir, mit all dem nichts zu tun haben will, gar nicht da sein will, dem Leben nichts abgewinnen kann.

Nein, im Gegenteil meine Tränen und meine offen gezeigten Schwierigkeiten verunsichern nur, als dürfe das nicht da sein.

Ich muss manchmal glauben dass ich total kaputt bin, so kaputt, dass es irreparabel ist.

Ich kämpfe jeden Tag um mein Leben. Ich kämpfe darum irgendetwas darin zu entdecken, was es lebenswert macht.

Ok, eine Menge Kampf. Also gut, zeige dich, wenn du magst, sprich mit mir. Du kannst alles sagen. Ich bin bereit es zu hören.

Ich finde alles einfach sinnlos.

Wie müsste es denn sein, damit es einen Sinn hat?

Es müsste sich gut anfühlen, ich müsste mich freuen.

Gibt es denn irgendetwas, was sich jetzt für dich gut anfühlt?

Nein. Ich finde nichts.

Und musst du denn etwas finden? Kann es nicht einfach so bleiben?

Ähm..

Was wäre wenn es ok wäre so? Wenn es ok wäre nicht zu wissen was sich gut anfühlt?

Dann wäre ich ja ok. Dann wäre nichts verkehrt oder falsch oder ungenügend an mir. Dann wäre ich nur jemand der nicht weiß was sich für ihn gut anfühlt.

Es ist erlaubt. Alles was ist ist erlaubt, vom Leben genehmigt, als gültig befunden, sonst wäre es nicht.

Ach, es ist schön, ich sitze hier in der Stille meines Nichtwissens und höre auf zu suchen. Sage damit, es ist ok, so wie es mir gerade geht, so wie ich gerade bin ist in Ordnung, völlig gültig.

Ich will nichts von mir, gar nichts. Das ist ein Geschenk, das mir bisher fast nie jemand gemacht hat. Nichts von mir zu wollen.

Ich spüre wie ich immer tiefer in den Körper hinabsinke, eintauche, mich niederlasse. Wenn ich nichts von mir will, ist das Dasein gar nicht gefährlich.

Ich spüre, dass es das ist, was meine Kinder auch brauchen, dass ich nichts von ihnen will, und mein Mann und eigentlich absolut jeder. Wenn ich mir vorstelle von niemandem etwas zu wollen, diese Haltung im Herzen einzunehmen, dann wird alles so leicht, kampffrei, weil es dann gar nichts gibt worum man kämpfen müsste.

Ich habe ein Weilchen gewartet und probiert, bis ich eine Frage gefunden habe, die mich persönlich gut mit diesem Zustand verbindet.

‚Kann es auch einfach ok sein, so wie es gerade ist?‘ diese Frage erzeugt bei mir die stärkste Resonanz. Erinnert mich sofort worum es geht, dass das Leben alles schon genehmigt hat, sonst wäre es nicht da.

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