Hallo Wut

Hola, kein Wunder, dass sich mein Aberglauben hartnäckig hält. Kaum rede ich davon, dass ich schon lange keine Wutanfälle hatte, schon kommt einer um die Ecke.

Es musste aber nur ein Glas dran glauben und nicht der gesamte Spülmaschineninhalt wie früher. Aber diese Wut, diese ohnmächtige Wut war wieder da. Das Ausgeliefertsein, die Ungerechtigkeit.

Der Ungerechtigkeit ausgeliefert sein. Im Wutanfall habe ich das ganze Chaos aufgeräumt, geweint und versucht dieser Wut näher zu kommen.

Es ist trickreich, da ist zuerst Überforderung, dass es so viel, ist, dass ich es niemals schaffen werde, dann kommt die Ungerechtigkeit, dass ich das allein machen soll, und dann kommt der Widerstand, ich will es gar nicht schaffen, ich will es nicht machen selbst wenn ich kann, ich will und will und will nicht. Weil es ungerecht ist. Damit bin ich weiter gegangen, das sabotiert alles.

Ich fand ein Kind, dass die ganz Welt hasst, inbrünstig hasst, sie möchte alle vernichten, quälen, sich rächen. Ich habe diesen Hass verkörpert, blinde Wut und Rachegelüste, weil sie so unrecht behandelt wird und nichts dagegen tun kann. Also hasst sie die ganze Welt. Weil die Welt so gemacht ist, dass so etwas möglich ist.

‚Es ist eine blöde, beschissene, böse Welt, ich hasse alle, sie sollen alle leiden so wie ich.‘

Ich umarme es innerlich, auch dieses Kind gehört zu mir, ob es mir passt oder nicht. Ich kann die tiefe Verletzung und Ohnmacht spüren. Es wusste immer schon, dass alle Unrecht haben, dass das was sie von ihr verlangen falsch ist, dass nichts an ihr verkehrt ist, dass das, was sie ihr abgewöhnen wollen aber ihr ureigenstes Wesen ist, aber alles strampeln nutzte nichts, niemand nahm sie ernst, niemand verstand etwas. Sie beharrten nur stur auf ihre Blindheit.

Und da entstand der Hass und die blinde Wut. Die werden niemals nachgeben, niemals entsprechen, Rache steht auf die Fahne geschrieben, alle sollen leiden, sie wird niemandem gefällig sein. Niemals.

Sie beruhigt sich langsam. Erschöpft lässt sie sich in die Ecke sinken. Sie akzeptiert mich, sie spürt, hier darf sie sein.

Und ich? Ich habe ein Stück mehr verstanden was mit mir los ist. Ich konnte wieder ein wenig Biographie aus dem Heute entwirren. Heute existiert diese Ungerechtigkeit gar nicht, aber früher war sie real. Und diese Kleine, die so sehr hasst, sie gehört auch zu mir, ist auch eine Farbe.

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