Grau in grau

Heute bin ich im Außen mit Kritiker-Sätzen konfrontiert: ‚Ich sollte mehr machen, auch mit dem Bein würde es gehen, es ist nicht genug was ich mache und, und, und.‘

Das katapultiert mich von einer Sekunde auf die andere direkt in die Krise. Eine altbekannte Krise, eine die noch nicht richtig durchschaut ist.

‚Niemand sieht meine Anstrengung, alles ist sinnlos, alles was ich jemals als Rückmeldung bekomme ist, dass es nicht gut genug war, es hätte mehr, besser, schneller, mit besserer Laune sein sollen. Etwas ist immer zu bemängeln.‘

Wo es herkommt weiß ich auch, durch genau diese Brille bin ich von fast allen Familienmitgliedern angeschaut worden. Es war nie gut genug, obwohl ich mir aus meiner Sicht so viel Mühe gegeben habe, das Beste gegeben habe.

Ich weiß inzwischen, das jeder sowieso immer sein Bestes gibt, nur wir verstehen das nicht, wir kritisieren nur, weil es nicht unseren Verstellungen entspricht.

Und trotzdem hilft mir das nicht, ich fühle mich immer wieder in diesem Zustand gefangen, ich kann ihn nicht durchschauen.

Mir fällt ein, was ich heute in diesem Video von Teal Swan gehört habe, dass wenn wir das Gefühl haben, das Universum sei gegen uns, Gott sei gegen uns, es eigentlich zeigt, dass wir gegen uns sind, weil wir das Universum sind, und das Universum in uns ist.

Also frage ich mich, wenn ich denke, dass niemand meine Mühen sieht, niemand die Anstrengung sieht, die ich mache, sehe ich meine Mühen? Sehe ich die Anstrengungen, die ich mache?

Die Antwort ist ganz klar nein. Ich bin völlig baff.

Ich bin den ganzen Tag durchgegangen und konnte einfach nirgendwo sagen, oh, das hast du gut gemacht, also aus vollen Herzen sagen und das auch glauben. Es mischte sich ständig die Stimme ein, die es kritisierte, ins Lächerliche zog oder bagatellisierte. ‚Was war das schon, zweimal fahren und Büro und Essen kochen, und davon bist du schon überfordert, du Memme, du Weichei, du unfähige Kuh, du bist zu nichts zu gebrauchen.‘

Soll das nichts gewesen sein?

Ja, das war nichts.

Wieso ist das was du aufgezählt hast nichts, es ist doch was, und sogar vier Sachen.

Ja, vier Sachen, aber das ist doch nichts.

Hm, was meinst du mit nichts?

Viel zu wenig.

Viel zu wenig für wen?

Viel zu wenig gemessen an dem was zu tun ist.

Was wäre den noch zu tun?

Küche aufräumen, Hausaufgaben.

Ach, also von sechs Sachen hat sie vier gemacht, oder?

Ja, schon.

Warum ist das zu wenig?

Weil sie nicht alles gemacht hat.

Nur alles ist genug?

Ja.

Und wenn sie noch die Hausaufgaben und die Küche gemacht hätte, wäre es dann genug gewesen?

Nein.

Aha! Wann ist es denn genug?

Nie.

Also nie, dich kenne ich schon, was ist heute anders?

Andere sehen das auch so.

Und dann? Was ist dann?

Dann bin ich ungenügend, mein Bestes reicht nicht.

Und dann?

Dann wird mich nie jemand sehen, jemand anerkennen.

Siehst du dich? Erkennst du dich an?

Nein, ich kann es nicht, jemand anderer muss es für mich tun.

Würde das helfen, wenn jemand das täte?

Ich bin mir nicht sicher, eher nein. Es hat bisher jedenfalls nicht geholfen.

Seit Stunden befinde ich mich im Kampf. Dieses Gefühl des Ausgeliefertseins der anderen Art, des Nichtverstandenwerdens und des Sichnichtverständlichmachenkönnens ziehen mich in eine graue Masse. Ich werde ewig missverstanden, scheint eins der ältesten und tiefsten Traumata zu sein, ich komme heute da nicht hin, dem kann ich nun ins Gesicht sehen.

Der erste Reflex ist einfach Kämpfen. Kann ich das annehmen?

Ja

Kann ich annehmen, dass ich in diesem Moment nicht weiterkomme, dass das Gefühl einfach da ist, und ich nichts dagegen tun kann, ich es nicht verstehen kann, nicht erforschen kann?

Nein.

Kann ich annehmen, dass ich es nicht annehmen kann?

Ja. Puh, ich sinke hinein in diese tiefe Traurigkeit, ich habe das Gefühl ich zerfließe regelrecht.

Was würde jemand tun, der sich selbst liebt?

Sich trösten. Sich einfach nur beistehen.

2 Gedanken zu „Grau in grau

  1. Liebe CK,

    ich wollte dir ganz generell für den Hinweis auf Teal Swan danken, die hätte ich ohne dich nicht gefunden. Ich finde ihre Video-Vorträge sehr inspirierend.

    Herzliche Grüße
    Eulalie

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