Der Raum hinter der Angst

Ich habe gerade einen Selbsttest gemacht, so aus Spaß, der auswertet ob und wie stark esssüchtig man ist. Und, tadaaa!, Überraschung, ich bin überhaupt nicht esssüchtig.

Schon beim Beantworten der Fragen war mir klar, das meiste trifft auf mich nicht mehr zu, das war einmal, ist aber nicht mehr so. Die Dinge ändern sich wirklich, ändern sich umfassend und tiefgreifend.

Das macht mir Mut.

Und noch etwas habe ich festgestellt. Ich bin wieder in die Angstwolke eingetreten. Aus Erfahrung erwarte ich da nichts, sie verflüchtigt sich erst wieder, wenn das betreffende Ereignis vorbei ist.

Trotzdem habe ich angstfreie Momente. Wenn ich die Angstwelle voll annehme, wenn ich sie liebevoll hereinbitte und mich um sie kümmere, und wenn ich meine Aufmerksamkeit bewusst auf Dinge lenke, die die Liebe wachsen lassen.

Das klingt ja erstmal widersprüchlich, ist es aber gar nicht. Beide Herangehensweisen sind wichtig, habe ich herausgefunden.

Wenn ich nur bei der Angst bin, quasi beim Begleiten daran kleben bleibe, dann zieht mich das in einen Sog runter, aus dem ich nicht mehr rauskomme.

Wenn ich mich nur der Liebe zuwende, obwohl die Angst anklopft, dann laufe ich weg und verstärke sie damit, ziehe in den Kampf.

Also braucht es beides. Und das Zusammenspiel mit dem ich gut zurechtkomme ist immer die Angst zu beachten, wenn sie da ist, sie liebevoll zu begleiten, und dann aber auch aus der Liebe heraus, die Aufmerksamkeit abzuziehen und sie bewusst auf etwas zu lenken was essentiell gut ist. Z. Bsp auf den inneren Körper, auf den Atem, auf die Stille hinter den Geräuschen, auf Gott, der in meinem inneren wohnt. Was sich gerade zeigt.

Überhaupt, der innere Körper ist ein Wunder für sich. Eckhard Tolle sagt, solange wir mit dem inneren Körper verbunden sind, haben Spannungen keinen Raum.

Als ich das zuerst gehört habe konnte ich das nicht glauben. Aber ich habe es sofort ausprobiert. Und ja, sobald ich die Aufmerksamkeit auf die innere Energie lenke, setzt sie sich in Bewegung, Blockaden und Spannungen fangen an sich zu bewegen, es ist unmöglich die Spannung festzuhalten.

Mich bringt es auch in Kontakt mit einem tiefen Frieden, der unterhalb aller Wallungen liegt, mit der Tiefe des Ozeans. Noch ein Tor um diese Stille, die unbedingt liebevoll ist, zu erreichen. Denn das Liebevolle muss ich mir nicht dazu denken, muss ich mir nicht extra herholen, nein in diese tiefe ruhige Stille ist es direkt eingewoben, als sei die Stille die Liebe.

Ich bin so glücklich, am Sonntag dachte ich noch, mich erwarte eine Woche Angst, eine Angst der ich ausgeliefert bin und die ich nur irgendwie, so liebevoll wie möglich, überstehen kann.

Aber es gibt einen Raum hinter der Angst. Einen Raum der die Angst nicht wegdrückt oder negiert, der aber mit ihr durch sie hindurchgeht bis zu einem Punkt an dem die herrlichste Stille thront.

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