Der Melodie lauschen

Ich esse aus dem Topf im Vorbeigehen. Obwohl ich Hunger habe und mir etwas Schönes zum Essen machen könnte. Aber dazu bin ich zu unruhig. Verschiedene Schwierigkeiten des Alltags versetzen mich sofort in meine altbekannte innere Panik.

Mein Brustkorb explodiert gleich, Kiefer und Magen total angespannt. Ich bleibe dabei und lausche, das was ich empfange, das ist meine heutige Melodie, die ich nicht haben will und mit Essen wegdrücken will.

Der Essdruck ist weg, allein weil ich mit meiner Aufmerksamkeit im Körper geblieben bin, der Melodie gelauscht habe, ohne sie verändern zu wollen. Die Unruhe ist noch da, aber der Teil der nur dazu da ist um sie wegzudrücken, der Essdruck, der ist weg, weil er keine Funktion mehr hat. Wenn ich die Unruhe wahrnehme und bei ihr bleibe, dann braucht es nichts mehr um sie wegzumachen.

Dieses kalte Essen aus dem Topf ist überhaupt nicht das was summt, mir wird klar, wie sehr ich meinem Körper in solchen Momenten Gewalt antue, ich quäle ihn und meine es zu brauchen.

Mein dünner Körper in mir ist nur schwach spürbar, der Krampf und die Spannung drücken ihn zusammen.

Tränen, es ist schwer, ich habe Mitgefühl mir mir, mit dem wie es ist. Wenn etwas erledigt werden muss, dann setzt mich das unter einem enormen Druck, es muss sofort geschehen, auf der Stelle, ansonsten kommt die Spannung und Unruhe. Und das sind keine großen Dinge, eine Veranstaltung organisieren, ein paar Verträge ändern.

Was ist los? Warum muss das sofort geschehen?

Ich kann es nicht aushalten, dass ich es noch machen muss. Wenn es gemacht ist, bin ich es los.

Und was ist schlimm daran?

Es kommt keine Antwort. Ich halte diese Frage in mir und spüre was im Körper dabei passiert. Aufruhr, noch mehr Spannung, würgen, zittern, zucken, das ganze Programm. Aber keine weitere Information. Ich halte einfach diese Spannung in meinen Armen, sie ist schon ganz lang bei mir, ich spüre es ist ein Mangel an Vertrauen, ich kann keinen Fleck unkontrolliert lassen. Das ist der Ursprung.

Ein Meer von Tränen fließt aus mir raus, wenn ich die Augen öffne und mich mit der Realität verbinde, wird die Trauer noch intensiver, bedeutsamer, tiefer, aber auch glücklicher, zufriedener, es ist als würde es der Trauer gefallen ins Jetzt geholt zu werden, aus ihrer Verbannung in der Dunkelheit geholt zu werden.

Es erfüllt mich mit Freude und Zufriedenheit tief bei diesem Gefühl zu bleiben, meiner Melodie zu lauschen und gleichzeitig hier zu sein, die Augen offen zu haben. Ich wollte sowieso viel mehr mit offenen Augen arbeiten, damit ich das wirklich jederzeit machen kann, aber nun zeigt sich, dass es eine ganz neue Qualität mit sich bringt, eine Qualität des gesehen Werdens, die bisher nicht da war.

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