Der Kampf ist vorbei

Die Wirkung des Sehnsuchtsbildes als Einstieg verblasst zunehmend. Das habe ich erwartet.

Ich brauche es auch nicht mehr. Das Bild war der Schlüssel, das Tor ist ja nun offen, ich brauche keinen Schlüssel mehr.

Im ersten Augenblick als ich merke, dass die Kraft des Vorstellung nachlässt, überfielen mich sofort die Stimmen, die sagten, siehst du, das wars, du hast noch nicht gedacht, dass sich wirklich etwas ändert, aber dann spürte ich das Vertrauen, ein Vertrauen darauf, dass wenn das Bild verblasst ich es vielleicht nicht mehr brauche.

Und ja, ich habe diesen Blick aus dem Herzen, diesen Blick auf die Welt aus dem freien Selbst verankert, ich kann den Wechsel bewusst vollziehen, auch ohne die Sehnsuchtsmutter.

Mir eröffnet sich die Sicht auf das ganze Zusammenspiel. Ich sehe, wenn so viele Schichten und Stimmen drücken, so dass ich den Blick wechseln kann, es aber nicht in die Welt bringen kann, nicht in Handlung umsetzen kann. Aber auch hier geht Annehmen, es geht gerade nicht, das kann ich so klar sehen, dass keine Zweifel übrigbleiben. Auch kein Raum für Selbstanklagen oder Antreiber ‚Du musst es noch mehr versuchen‘ usw.

Eine Klarheit ist eingetreten. Ich sehe den Stand der Dinge. Es ist wie es ist, und daran gibt es keine Zweifel. Ich kann es auch als Bild sehen, die inneren Bilder sind für mich eine starke Ressource, als Kind und Jugendliche habe ich mir zum Einschlafen jeden Abend Filme vorgespielt, vor dem inneren Auge, lange, aufwendige Fortsetzungsgeschichten, ich habe mich beim schlafen gehen schon richtig darauf gefreut.

Jedenfalls sehe ich das innere Licht leuchten, und kann sehen ob die Schicht, die drüber liegt nur hauchdünn und hellgrau ist, dann löst sie sich auf, wenn ich mich mit dem Licht verbinde, oder ob sie dick und dunkelgrau ist, dann kommt das Licht nicht an die Oberfläche, vermag jedoch von innen zu wärmen. Und weil ich das sehen kann zweifle ich nicht mehr an die absolute Richtigkeit, an die absolute Notwendigkeit des Augenblicks. Es ist wie es ist und es kann nicht anders sein.

Der Kampf kann aufhören. Endlich. Es gibt nichts zu bekämpfen. Das Licht zeigt mir, was in diesem Moment möglich ist und was nicht. Das Mögliche ist leicht und klar. Im Licht wird das Notwendige selbstverständlich. Zum Beispiel an erster Stelle gut für mich zu sorgen. Körperlich und emotional. Das wird sonnenklar, das nichts, absolut nichts einen Sinn macht, wenn das nicht gewährleistet ist.

Es ist klar, wann der Akku leer ist und nichts mehr geht, es ist klar, dass wenn der innere Druck zu stark ist ein dagegen Angehen nur ein Kampf sein kann, es ist aber auch klar, wann Raum und Energie da sind, und ich nur aus alter Gewohnheit gegen mich handle. Almaas nennt diesen Aspekt unserer essentiellen Natur Brillanz, klar zu sehen wer wir wirklich sind aber auch wo wir aktuell noch verstrickt oder nicht ganz sind. Aber immer im Bewusstsein, dass wir dem als freies Wesen nicht ausgeliefert sind.

Jetzt zum Beispiel harre ich auf meinem Stuhl aus, fühle mich zunehmend unwohl, komme aber nicht von Fleck. Wenn ich mich verbinde, nehme ich wahr, dass ich müde bin, ich nehme auch den Widerstand wahr gegen das Hinlegen, ein gewohnheitsmäßiger Widerstand aus der Verzögerungstaktik, und kann klar sehen, dass wenn ich für mich gehen will, das Hinlegen unumgänglich ist. Ich entscheide mich für mich.

….

Stunden später, habe geschlafen, mir den Kindern Hausaufgaben gemacht, für Schulaufgaben gelernt.

Als ich nach all dem in die Küche kam und das dort inzwischen entstandene Chaos sah, kam die Überforderung. Alles ist unüberkommbar, an jeder Ecke nur Dreck und Verwüstung, nicht zu schaffen, unerträglich. Das altbekannte Land, same procedure as every day.

Ich musste alles stehen und liegen lassen und mich zurückziehen um zu schauen ob ich es auch anders sehen kann.

Ich sehe, der innere Raum ist total bedrängt von den üblichen Konsorten: ich kann das nicht, das ist zu viel, das ist ungerecht, will nicht usw. Eine dicke graue Schicht bedeckt das Licht. Ich kann mich kaum verbinden.

Bitte hilf mir es anders zu sehen! Ich bleibe eine Weile bei diesem Gebet.

Nach und nach macht sich ein Wärme und eine Sanftheit in meiner Brust bemerkbar. Das Herz öffnet sich wieder Stück für Stück. Ich spüre Erbarmen für mich (danke liebe Comfortqueen für dieses Wort). Tränen des Mitgefühls fließen.

Ich entscheide. Entweder ich mache die Umgebung oder die Kinder verantwortlich, ärgere mich und lebe weiter im Chaos, oder ich nähre die Liebe für mich, für meine Familie und für meine Umgebung.

Aus der Liebe heraus ist die Antwort einfach. Mir mache ich es zuallerst schön. Ich muss nichts und doch kann ich alles. All die Stimmen, die mich entweder nieder machen oder antreiben müssen nicht befolgt werden, ich kann in Ruhe Ordnung schaffen. In Ruhe meint ohne inneren Druck, das ist die Ruhe die zählt. Ich mache dazu Musik an.

Das ist so eine Ressource, ich schreibe es noch mal auf, weil ich es auch immer wieder vergesse. Musik ist für mich wie ein Schalter, der umgelegt wird, ich muss mich bewegen, und wenn ich mich bewege, komme ich in meine Kraft. Das ganze Haushaltszeug geht ganz nebenbei von der Hand, ich kann mich gar nicht erinnern, wann ich das gemacht habe.

Jeder bekommt auch ein Zuckerl im Leben.

4 Gedanken zu „Der Kampf ist vorbei

  1. Hallo C.! Ich bin die letzten Tage und auch heute wieder ganz gefesselt und fasziniert und berührt von dem, was Du schreibst! Ich freu mich so für Dich, dass Du an diese Stelle gekommen bist!
    Und ich freu mich drauf, noch mehr Deiner Erfahrungen zu lesen!
    Alles Liebe, Christiane

  2. Hallo c.!
    Ich bin vor einigen Tagen über Suh auf deine Seite gestoßen. Du schreibst so toll und bereicherst mich mit deinen Texten enorm. Ich habe mir gestern in stressigen und schwierigen Situationen vorgestellt wie die sehnsuchtsmutter ( ja die passt auch zu mir) handeln oder Denken würde. Ich habe so eine innere Wärme gespürt das war der Hammer und gerade jetzt beim schreiben fühle ich wieder die Liebe für mich die davon ausgeht.
    DANKE!!!

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