Das Tor ist offen

Ich bin immer noch fasziniert. Staunend stehe ich vor diesen beiden Welten. Die Welt gesehen von meinem gewohnten Standpunkt aus, dem Standpunkt meiner Biographie, und die Welt gesehen durch die Augen der Sehnsuchtsmutter.

Ja, diese Vorstellung hat immer noch die Macht mich sofort zu verbinden, sobald ich sie rufe, kommt ein warmes freudiges Gefühl in meine Brust, es ist als würde ich das Licht in meine Welt bringen.

Jede noch so alltägliche und unangenehme Situation wird durch diesen Blick des Herzens transzendiert.

Heute morgen Ballett. Bei mir unmotivierte Kein-Bock-Stimmung, während der Fitness-Diktator mir im Nacken saß. Ich verbinde mich und kann sofort spüren, dass ich nicht muss, es gibt keinen Grund mich zu zwingen. Dann merkte ich aber, dass ich in meinem Herzen weiß, dass mir das heute gut tun wird, und dass es für mich nährend sein wird meine Startschwierigkeit zu überwinden. Das Hingehen wurde sofort leicht und die Stunde hat mir richtig gut getan.

Nächste Situation Konto. Es kam was rein, natürlich nicht so viel, dass ich alles zahlen kann. Erst Panik, Verzweiflung. Dann Blickwechsel. Sofort wird klar was zu tun ist, ich zahle alles was geht, im Vertrauen dass jeden Tag ausreichend eingehen wird. Ich freue mich über jede Rechnung, die ich bezahlen kann. Zwischendurch noch verschiedenes Bürozeugs erledigt, und das alles mir Leichtigkeit.

Nach all den Jahren des hoffnungslosen im Sumpf herumkriechen ist es eine solche Wohltat ein neues Land zu betreten. Dass ich die Möglichkeit habe die Mutter meiner Sehnsüchte zu sein, zaubert mir jedes Mal ein Lächeln ins Gesicht, wenn ich daran denke.

Ich erfahre in dieser Verbindung eine tiefe Erdung, ich fülle den Platz, den ich im Leben habe, genau den Platz, der jetzt gerade da ist, voll aus, mit Freude und Liebe und Leichtigkeit. All das Unangenehme und Schwere ist trotzdem da, ich kann aber wohlwollend darauf blicken und damit werden sie nicht zum lebensgefühlbestimmenden Drama. Ja, das Drama ist raus. Wie angenehm. Wie entspannend.

Mir ist absolut klar, dass all die Jahre des Sumpfs haben sein müssen, ohne sie und ohne die kontinuierliche Entschälung wäre ich nicht hier angekommen. Die Seele flüstert, während die Emotionsfiguren schreien. Und wenn wir daran gewöhnt sind auf das Schreien zu hören, können wir das zarte Flüstern der Seele gar nicht wahrnehmen oder vielleicht auch nicht wichtig nehmen. Deswegen war es für mich unerlässlich erstmal viel zu erforschen, viel zu entschälen, mein System gründlich kennenzulernen, damit ich Raum habe für das was dahinter ist, damit ich das leise Flüstern hören kann. Und je länger ich ihm zuhöre, desto klarer und leichter wahrnehmbar ist die Botschaft.

Alles braucht seine Zeit und niemand weiß wie lange es dauert. Und ich habe lange gebraucht, bis ich so weit war meine eigenen Schritte zu gehen. Immer wieder habe ich nach jemandem gesucht, der mir sagt wie es geht. Aber so jemanden kann es nicht geben.

Denn, davon bin ich überzeugt, solange wir nicht unser absolut unbekanntes eigenes Neuland betreten, solange wir nicht unserer eigenen Führung vertrauen, so lange befinden wir uns in fremden Systemen, die zwar bis zu einem gewissen Grad als Richtungsweiser helfen können, den genauen Weg aber nicht kennen. Den kennen nur wir.

Das Tor ist offen, ich kann hin und her gehen. Je öfter ich das mache, desto leichter wird es, das ist wohl auch eine Übungssache, wie das meiste wenn nicht gar alles im Leben. Ich freue mich auf das was kommen mag.

2 Gedanken zu „Das Tor ist offen

  1. Liebe CK,

    das ist unglaublich schön und ich kann es gut nachvollziehen. Es freut mich sehr für dich, dass du dein neues Land jetzt sehen und spüren kannst.

    Ich glaube, dass das neue Land immer unbekannt ist, bis wir es selbst betreten, egal ob wir durch Tipps von anderen dahin zu kommen versuchen oder ganz allein. Denn die Tipps von anderen bleiben ja Theorie, solange sie nicht mit eigener Erfahrung gefüllt sind. Insofern ist das Eigene immer das Eigene, also wenn es echt und frei ist. Denke ich.

    Liebe Grüße
    von Eulalie

  2. Liebe Eulalie,

    ja, das glaube ich auch.

    Und ich glaube auch, dass uns alle Hilfe nur bis zu einem bestimmten Punkt bringen kann, im besten Falle zu dem Punkt an dem wir bereit sind ins absolut Unbekannte zu gehen.

    Das war mir bis vor Kurzem so nicht klar, ich hatte immer gehofft einen Plan an die Hand zubekommen, der mich durch einfaches Befolgen dahin führt wo es schön ist.

    Liebe Grüße

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