Umfrage – Emotionales Essverhalten

Ich wende mich heute mit einer Bitte an Euch.

Ich schreibe zur Zeit meine Diplomarbeit in Tanztherapie BTD mit dem Arbeitstitel (Über-) Gewicht und der Umgang damit in der Tanztherapie. Es soll ein Leitfaden für Therapeuten werden, die selbst nicht vom Thema Gewicht und emotionales Essen betroffen sind, damit Sie eine Ahnung davon bekommen was für Faktoren eine Rolle spielen und worauf es in der Therapie ankommt.

Da es zu diesem Thema in der Forschung noch nicht viele relevante Ergebnisse gibt, habe ich mich entschlossen selbst eine Umfrage durchzuführen.

In dieser Diplomarbeit konzentriere ich mich auf Hunger- und Sättigungsgefühl, Körperwahrnehmung, Umgang mit Emotionen und Bedürfniserfüllung, deswegen kommen Fragen zu anderen Themen, die auch relevant sein können, nicht vor.

Gefragt sind alle mit Übergewicht, egal ob viel oder wenig, egal ob mit BMI als Übergewicht klassifiziert oder empfunden. Oder anders: wenn Gewicht und Essen für Euch ein Thema sind, dann gehört Ihr zur Zielgruppe.

Da ich aber auch ein Vergleichsgruppe brauche, sind auch die eingeladen mitzumachen, die kein Problem mit ihrem Gewicht haben.

Aus diesem Grund gibt es nur zwei Pflichtfelder, das sind Größe und Gewicht. Die Umfrage ist selbstverständlich anonym.

Ich würde mich sehr freuen, wenn Ihr zahlreich daran teilnehmt, je mehr mitmachen, desto aussagekräftiger ist das Ergebnis.

Ihr könnt mir gerne Fragen stellen, wenn noch etwas unklar ist.

Hier ist der Link zur Umfrage: Fragebogen – Emotionales Essverhalten

Kontrollzwang

Die letzten Tage war ich so krank, wie noch nie in meinem Leben. Ich lag 5 Tage bewegungslos im Bett, konnte nicht mal lesen, weil ich solche Kopf- und Augenschmerzen hatte. Ich habe eine ansonsten eher robuste Konstitution, werde selten krank und wenn, dann ist nach ein paar Tagen alles in Ordnung und abgesehen von meiner Kindheit war ich nicht länger als einen Tag krankheitsbedingt im Bett. Das war also sehr ungewöhnlich, und ist es noch, denn obwohl ich schon beim zweiten fieberfreien Tag bin, bin ich noch sehr schwach und wenn ich länger nur am PC sitze bekomme ich Schweißausbrüche.

Während der ganzen Zeit habe ich mich um nichts gekümmert, konnte ich nicht und es war mir alles egal, alles hat mein Mann mit den Kindern erledigt, die ganze Einkauferei, die Ostereier färben, Lämmchen backen, Schinken in Brotteig und alles was noch anfällt. Meine Töchter haben Abendessen gekocht und sich um den nach einer OP blutenden Hund gekümmert (das auch noch!).

Ich lag also da allein in meinem Schlafzimmer, und wollte nicht wissen was draußen passiert, im Gegenteil, wenn ich daran dachte, dass ich mich um all das eigentlich kümmern sollte, wurde ich sofort überwältigt und hatte das Gefühl, dass ich gleich sterben kann, weil eh alles nur schlimm ist, krank sein ist schlimm aber gesund sein und in all das wieder zurück müssen auch. Ich war so verzweifelt, mein Innen war nach außen gekehrt, so wie ich mich innerlich fühle, so fühlte ich mich nun auch im außen, schmerzend, gequält, schwach, hoffnungslos. Als ich das endlich gefühlt habe, konnte ich wieder schlafen und am nächsten Tag ging es mir besser, das Fieber war weg.

Und als ich wieder mitten im Geschehen auf den Sofa lag, merkte ich was das Problem war, alles was um mich herum passierte versetzte mich in Alarmbereitshaft, ich musste alles unter Kontrolle haben. Ja, das klingt so banal, aber ist deswegen nicht weniger überraschend für mich, weil ich damit ja viel gearbeitet habe, weil ich früher noch viel, viel mehr unter Kontrolle haben musste.

Dieses ständige Überwältigtsein von meinem Leben kommt daher, dass ich das Gefühl habe, wenn ich nicht alles im Blick habe, alles voraussehe, an alles denke, werde ich überwältigt. Ja, lustig, ich will Überwältigung vermeiden und tue mir genau das an: Überwältigung.

Höre ich ein Rascheln muss ich wissen welches Tier das war, wenn der Hund in die falsche Richtung guckt, bin ich in Alarmbereitschaft, haben die Kinder dies gemacht und sie sollen ja nicht das und ist an dies gedacht und, und, und. Wenn ich das hier so aufschreibe klingt das gar nicht so schlimm, Alltag halt und all das an das man denken muss. Ja, vielleicht, aber für mich ist jeder dieser Gedanken verbunden mit höchster Alarmbereitschaft, höchster Stressreaktion, immer und immer wieder. Kein Wunder, dass ich mich nicht einfach in den Garten legen kann, nie. Oder einfach spazieren gehen kann, oder einfach entspannen kann. Geht einfach nicht, geht einfach nicht. Das innere Überlebenssystem lässt es einfach nicht zu.

Es ist so klar für mich nun, was sich schon in der Aufstellung bei Franz Ruppert gezeigt hat, ich hatte eine grausame Kindheit, ich war ständig bedroht, mein Leben war bedroht, das habe ich bis dahin nicht glauben wollen, denn ich habe ja überlebt. Was ich aber bis dahin nicht fühlen konnte war die Todesangst, die ich als Kind nicht einmal, sondern viele, viele Male gefühlt habe. Denn das Kind konnte nicht wissen, das es überleben wird, in dem Moment glaubte es, es wird sterben.

Das Überlebenssystem versucht also seitdem alles abzuscannen, immer, immer, immer, um eventuelle Gefahren zu erkennen, es kann nicht anders.

Das hier aufzuschreiben ist für mich eine Befreiung, eine totale Erleichterung, denn ich kann endlich fühlen warum es mir so geht, warum alles, alles immer anstrengend und eine Bedrohung ist. Weil ein Teil von mir noch mitten im Krieg lebt, noch um sein Leben kämpft.

Das macht mich innerlich wieder weit und weich, ich habe Mitgefühl für mich und meine Situation, ich kann fühlen, dass ich keine Wunder vollbringen kann und mit reinem Willen mit diesem Programm aufhören kann.

Mir wird bewusst, dass das was ich Kontrollzwang nenne ein sehr starkes Überlebensprogramm ist, und dass das wie eigentlich alles nicht ohne ganz guten Grund da ist. Und dass es nichts mit kontrollieren oder beherrschen wollen oder anderen nichts zutrauen zu tun hat, sondern mit dem verzweifelten Versuch des kleinen Kindes für eine Sicherheit mitten im Krieg zu sorgen.

Ich merke, dass meine Kräfte schwinden, ich werde mich jetzt ein wenig draußen hinlegen und dabei das verzweifelte Kind in mir, das dann Alarm schlägt, begleiten.